KLAR! Waldviertel Nord Klimawandel-Anpassungsregion
● Nachlese · Genuss-Garten-Stammtisch

Wer krabbelt, summt und flattert?

Eine Nachlese zum Genuss-Garten-Stammtisch der KLAR! Waldviertel Nord: eine Entdeckungsreise durch die Gärten in Hörmanns – welche Tiere sind Schädlinge, welche wertvolle Helfer, und wie fördert man Nützlinge gezielt?

Fr, 12. Juni 2026 · 16–18 Uhr Gärten in Hörmanns Referent Benjamin Herzog
Worum es ging

Welche Tiere sind Schädlinge – und welche Helfer?

Kleine Fraßspuren am Gemüse, angeknabberter Salat, plötzlich verschwundene Jungpflanzen – doch welche Tiere stecken eigentlich dahinter? Beim Genuss-Garten-Stammtisch ging es genau darum: Schäden besser einordnen, Zusammenhänge verstehen und Nützlinge gezielt fördern.

Referent Benjamin Herzog führte auf eine Entdeckungsreise durch die Gärten in Hörmanns und zeigte praxisnah, was dort alles krabbelt, summt und flattert – und wie man Tiere und Insekten bestimmen kann. Diese Nachlese fasst die wichtigsten Themen aus dem Austausch in fünf Gruppen zusammen.

Die Themen im Detail

Fünf Themen aus dem Stammtisch

Von der Blattlaus am Holunder bis zur standortgerechten Pflanze – die Gesprächsrunde im Überblick, illustriert mit Beispielbildern der genannten Pflanzen und Tiere.

Holunderblüte (Sambucus nigra)
Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) · Bild: Wikimedia Commons
1 Blattläuse & der Holunder

Ein voller Holunder ist kein Notfall

Viele Blattläuse sind echte Spezialisten: Die Holunderblattlaus etwa frisst fast ausschließlich am Holunder. Ein im Frühsommer dicht besetzter Strauch sieht dramatisch aus – ist für die Pflanze aber meist kein Drama.

  • Die meisten Blattlausarten sind an eine bestimmte Wirtspflanze gebunden.
  • Der Holunder „verträgt“ seine Läuse – er geht daran in aller Regel nicht zugrunde.
  • Blattläuse sind zugleich eine wertvolle Nahrungsgrundlage für viele Nützlinge.
Beobachten statt bekämpfen
Schwebfliege (Episyrphus balteatus) auf Blüte
Hain-Schwebfliege (Episyrphus balteatus) · Bild: Wikimedia Commons
2 Nützlinge im Garten

Schwebfliegen, Marienkäfer & Co.

Die erwachsene Schwebfliege ernährt sich von Nektar und Pollen – ihre Larven aber sind gefräßige Blattlausjäger. Damit die Nützlinge bleiben, brauchen sie das passende Blütenangebot.

  • Larven von Schwebfliegen (und Marienkäfern) vertilgen große Mengen Blattläuse.
  • Wichtig ist die Blütenform: Kurzrüsslige Nützlinge brauchen offen zugänglichen Nektar – keine tiefen Trichterblüten.
  • Es gibt Spezialisten (fast nur Blattläuse) und Generalisten (auch Spinnmilben & andere Kleininsekten).
Vielfältig blühen lassen
Marienkäfer frisst Blattläuse
Marienkäfer mit Blattläusen · Bild: Wikimedia Commons
3 Wie sich Blattläuse vermehren

Klone im Sommer, Eier im Herbst

Blattläuse haben einen faszinierenden Vermehrungstrick: Den Großteil des Jahres vermehren sie sich ungeschlechtlich – es entstehen lauter weibliche Klone. Wird die Kolonie zu dicht, bilden sich geflügelte Tiere, die neue Pflanzen besiedeln.

  • Über den Sommer: ungeschlechtliche Vermehrung – nur Weibchen, identische Klone.
  • Bei zu hoher Dichte entstehen geflügelte Läuse, die abwandern und sich ausbreiten.
  • Im Herbst folgt eine geschlechtliche Generation; die Tiere überwintern (Eier an Rinde/Wirtspflanze).
Ein natürlicher Kreislauf
Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus)
Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) · Bild: Wikimedia Commons
4 Heikle & invasive Pflanzen

Was man besser nicht (mehr) pflanzt

Manche Beliebtheiten im Garten sind ökologisch problematisch, weil sie sich über Vögel oder Samen unkontrolliert ausbreiten. In der Runde besonders besprochen: der Kirschlorbeer.

  • Kirschlorbeer: breitet sich über Vögel aus – in der Schweiz ist der Verkauf bereits verboten. Besser nicht pflanzen, vorhandene Sträucher entfernen.
  • Goldrute: spätblühende, gute Nektarpflanze für Insekten – aber invasiv und keine Raupenfutterpflanze. Mit ökologischer Vorsicht.
  • Faustregel: erst den Standort ansehen – und dann die passende Pflanze wählen, nicht umgekehrt.
Invasiv – mit Bedacht
Vielblättrige Lupine (Lupinus polyphyllus)
Vielblättrige Lupine (Lupinus polyphyllus) · Bild: Wikimedia Commons
5 Pionierpflanzen & Standort

Lupinen: Stickstoffsammler mit zwei Gesichtern

Lupinen sind echte Pionierpflanzen: Sie reichern über ihre Wurzeln Stickstoff im Boden an und kommen mit trockenen, mageren Standorten bestens zurecht – Gründe, warum sie oft zur Böschungsbegrünung eingesetzt werden.

  • Binden Stickstoff und gedeihen auf trockenen, nährstoffarmen Böden.
  • Beliebt zur Begrünung von Böschungen und großen Flächen.
  • Können sich stark ausbreiten – durch Abschneiden der Samenstände im Zaum halten.
Standortgerecht denken

Nicht die Pflanze bestimmt den Standort – der Standort bestimmt die Pflanze. Wer das beachtet, gärtnert erfolgreicher und naturnäher.

— Sinngemäß aus dem Stammtisch-Gespräch
Auf einen Blick

Das nimmt man mit

🔍

Genau hinschauen

Erst bestimmen, dann handeln: Wer Tiere und Schäden richtig erkennt, reagiert gelassener und gezielter.

⚖️

Gleichgewicht zulassen

Blattläuse gehören dazu – sie sind Futter für Nützlinge. Geduld schlägt oft die Spritze.

🐝

Nützlinge einladen

Offene, vielfältige Blüten sichern Nektar für Schwebfliegen & Co. – ihre Larven erledigen die Blattläuse.

📍

Standort zuerst

Erst den Platz beurteilen, dann die Pflanze wählen – und auf invasive Arten verzichten.

🌍

Heimisch & verträglich

Kirschlorbeer & Goldrute mit Bedacht – heimische Alternativen tun dem Garten-Ökosystem gut.

🔄

Kreisläufe verstehen

Wer die Zusammenhänge im Garten kennt, fördert Nützlinge gezielt und muss seltener eingreifen.

🔍

Gut zu wissen: Selbsthilfe im eigenen Garten

Wer Schäden richtig einordnet, reagiert gelassener: Viele vermeintliche „Schädlinge" sind zugleich Futter für Nützlinge. Genaues Hinschauen und Bestimmen lohnt sich – Praxisbeispiele und Fragen aus dem eigenen Garten sind beim Stammtisch ausdrücklich willkommen.